Donnerstag, August 26, 2010

Wasserabfluss am Äquator

Quito, Ecuador

Liebe LeserInnen, ich komme gerade aus Ecuador/Galápagos zurück und schon geht es rund!

Wir waren am Äquator und haben begeistert und mit großen Augen zugesehen, daß das Wasser auf der Nordhalkugel andersrum abstrudelt als auf der Südhalbkugel. Genau AUF dem Äquator strudelt es gar nicht, da fällt es einfach ins Abflussloch.

Beweis: Video von Paul:



Jetzt gibt es das hochseriöse und über Zweifel fast schon erhabene Magazin GEO, das Gegenteiliges behauptet, es stimme gar nicht, sondern es hinge davon ab, wer das Wasser in den Abfluss kippt. Ausserdem strudelt es auch direkt überm Äquator. Von wegen Corioliskraft u.s.w.

Quelle: GEO

Hat jemand von Euch eine Ahnung, was denn nun stimmt?


Wir bitten unsere Leser, doch mal selbst zu recherchieren, in welche Richtung das Wasser denn nun strudelt. Es soll eine Art halbwissenschaftlicher Feldversuch sein. Wenn Ihr also irgendwann demnächst mal in entfernteren Gegenden der Erde unterwegs seit, lasst am Morgen das Wasser in das Waschbecken, zieht abends den Stöpsel und schreibt mir Eure Beobachtung. Oder macht doch mal ein Video und schickt es mir an rainer @ traveltonature.de bzw. ladet es bei Youtube hoch und schickt mir den Link. Oder fragt Eure Freunde im Ausland, ob sie uns helfen würden. Das möchte ich jetzt doch mal wissen.

Die Ergebnisse trage ich dann in diese öffentliche Landkarte ein.


Corioliskraft
Landkarte von StepMap
StepMap




Vielen Dank schon mal!

Rainer

bisher markiert:

Léon, Nicaragua, Jan Strik (Vapues Tours)
Mitad del Mundo, Ecuador, Familie Stoll
Ballrechten, Deutschland, travel-to-nature
Villarrica, Paraguay, Regina We (Facebook)
Cuernavaca, Mexiko, Erik (Mextrotter)
Kapstadt, Südafrika, Katja Quasdorf (Jenman Safaris, nebst zwei Zeugen)
Sao Paulo, Brasilien, Jara Schreck
Ciudas Colon, Costa Rica, Christoph Schnellbächer
Medellin, Kolumbien, Max Bleyer von viventure (nicht 100%ig sicher..)
Cochin, Indien, Dr. Mathew Moozhiyil (Basis Projekt)
Dirk Hagenbuch, Natavaara, Nordschweden

Endergebnis: Das Wasser dreht sich wie es will, bzw. wie derjenige will, der uns weissmachen will, dass sich das Wasser auf der Südhabkugel andersrum dreht. Es ist definitiv so, daß sich das Wasser nicht andersrum dreht.

7 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Hätte gerne auch die Unterseite des Wasserbeckens gesehen, ob sich dort vielleicht ein drehbarer Bogen befindet.

Unknown hat gesagt…

Hallo Sepp, kann ich dir mal ein foto von dem behälter schicken?

servus
rainer

Christoph Schnellbächer hat gesagt…

"Ich geb mal meinen Senf als Geograph dazu :P ... Also die Corioliskraft ist eine Scheinkraft, die sich nur dann wirklich signifikant auswirkt, wenn Körper (wie z.B. Luftmassen oder Meeresströmungen) eine gewisse Masse und und Geschwindigkeit erreichen. Am Äquator ist die Kraft zwar rechnerisch null, aber diese "Taschenspieler", die sich 5m nördlich und 5m südlich vom Äquator hinstellen und damit unterschiedliche Drehrichtungen nachweisen wollen, sind meiner Meinung nach Scharlatane. Für die Abflussrichtung von Toiletten- und Spülwasser etc. sind sowohl Masse als auch Geschwindigkeit viel zu gering, um eine entscheidende Rolle zu spielen. Das besagen auch zahlreiche wissenschaftliche Quellen. Die Drehrichtung in Spülbecken und co. wird von anderen Impulsen / Störfaktoren vorgegeben. Interessant hingegen ist die Auswirkung der Corioliskraft auf die unterschiedliche Abnutzung von Bahnschienen: http://goo.gl/qU1Em. Auch für Costa Rica spielt die Corioliskraft eine wichtige Rolle: Sie ist ausschlaggebend für die aus nordost wehenden Passatwinde, die auch immer mal wieder Tiefdruckgebiete mit schlechtem Wetter von der Karibikseite her mit sich bringen. Auch bei El Niño bzw. La Niña mischt die Corioliskraft mit. Ohne diese Scheinkraft ("Schein", da sie nur dann wirkt, wenn sich ein Körper bewegt) wären die Klimazonen auf dieser Erde völlig eintönig und eigentlich nur von einem Nord-Süd Gefälle gekennzeichnet. Westwinde und die Jahreszeiten, wie wir sie in Deutschland kennen, gäbe es in dieser Form nicht. Die gesamte globale Zirkulation beruht letztenendes auf der Corioliskraft. Und ohne diese bzw. ohne die Passatwinde wären all die grossen Seefahrer, Eroberer und Naturforscher auch nicht am amerikanischen Kontinent gelandet, sondern wären irgendwo in der Nähe des Äquators auf dem Pazifik nahe Afrika hängen geblieben.
Fazit: Die Drehrichtung des Wassers in derart kleinen Dimensionen hängt davon ab, mit welchem Impuls es in den Behälter eingefüllt wird. Das Gilt für jeden Ort auf der Erde. Erst ab einer bestimmten Masse / Geschwindigkeit greift die Corioliskraft."

Schöne Grüsse aus Ciudad Colón,
Christoph

Anonym hat gesagt…

Es ist so: Zufall wie der Strudel im Abfluss sich dreht. Die Störeinflüsse sind viel größer als der Geschwindigkeitsunterschied der Erdrotation an der N- bzw. S-Tangente des Strudels.
Dr. Erwin Glas

Mathias Dahms hat gesagt…

Hallo Rainer,
es scheint in der Tat so zu sein, dass am Latitude Zero ein wenig Schabernack mit uns getrieben wurde.
Die hier geäußerten wissenschaftlichen Bemerkungen sprechen alle gegen das Experiment. Ich habe auch noch folgendes Buch gefunden: http://books.google.de/books?id=iN0HQ9E_YT4C&pg=PA96#v=onepage&q&f=false
Im Selbstversuch zu Hause haben wir beide Drehrichtungen provozieren können.
Auch die Übungen mit den Hebelwirkungen an den Armen sind m.E. im Nachhinein sehr geschickt manipuliert worden. Ebenso der Versuch mit den Eiern auf dem Nagelkopf. Warum Svenja auf dem Äquatorstrich so geschwankt ist, darüber können wir heute nur spekulieren .... ;-)
Liebe Grüße aus dem Norden,
Mathias

Anonym hat gesagt…

Hallo Rainer!

Seit Jahren bekommen meine Frau und ich eure Nachrichten, die wir meist interessiert lesen. Leider hat es noch nie zu einer gemeinsamen Reise gereicht.

Darum möchte ich die Gelegenheit nützen, euer Problem zum Anlass zu nehmen, mich einmal zu rühren.

Ich habe jahrelang am Gymnasium Physik unterrichtet. Darum weiß ich, wie schwierig (aber auch lehrreich) es für Schüler ist, aus der allgemeinen Formel für die Corioliskraft FC = 2m [v ω] die Richtung dieser Kraft zu bestimmen.

Tatsache ist, dass alle Bewegungen (außer solche genau in Richtung der Erdachse) auf der Nordhalbkugel nach rechts abgelenkt werden. Wieso strömen dann Luftmassen in ein Tiefdruckgebiet (Zyklone) sich im Gegenuhrzeigersinn (links) drehend hinein? Zunächst strömt die Luft radial in Richtung Zentrum der Zyklone. Von der Corioliskraft wird sie (geringfügig) nach rechts abgelenkt. Bald überwiegt der viel stärkere Sog zum Zentrum und die Luftmassen strömen im Gegenuhrzeigersinn hinein. Auf der Südhalbkugel gilt natürlich das Umgekehrte. Zu bedenken ist, dass sich die Erde sehr langsam dreht (ω = 0,00007 sec-1 ) und sich die Geschwindigkeit der Luftmassen auch in Grenzen hält, sodass sich der Effekt nur über längere Zeit bzw. große Räume bemerkbar macht.

Ähnliches wie für eine Zyklone gilt natürlich auch für einen Wasserstrudel. Ich habe auch hier ein strömendes Mittel auf unterschiedlichem Potential. Außerdem stimmt natürlich, dass in einem labilen Gleichgewicht auch auf kleinem Raum eine kleine Ursache eine deutliche Wirkung haben kann. Ich persönlich glaube, dass lokale Unsymmetrien einen größeren Einfluss als die Corioliskraft haben. Selbst ausprobiert habe ich es freilich nicht. Wir waren zwar schon in Südafrika, dort haben wir uns aber mit dem Phänomen begnügt, dass Sonne und (viele) Sterne ihre Bahn von rechts nach links über Norden nehmen.



Der eigentliche Grund meines Schreibens ist folgende Idee: Nicht einmal eine Filmaufnahme kann einen sicheren Beweis liefern, denn im Einzelfall können immer lokale Gegebenheiten die Ursache sein. Sogar die Form des Stöpsels oder die Art des Herausziehens können die Ursache sein. Abhilfe könnte da nur eine oftmalige Wiederholung an verschiedenen Orten bringen. Und dafür muss man aber nicht um die halbe Welt reisen, das kann man auch bei uns machen: Wer sich wirklich dafür interessiert, macht den Versuch mit verschiedenen Badewannen oder besucht Schleusen an mehreren Stauseen. Dreht sich die überwiegende Anzahl der Strudel links herum, kann er sicher sein, dass die Corioliskraft die Ursache ist und sich die Strudel auf der Südhalbkugel rechts herum drehen.

Es grüßt aus Wien
Siegmund Baumgartner

Unknown hat gesagt…

Also gut, ich denke, wir müssen ganz klar zugeben, dass wir reingelegt wurden. Aber die haben das wirklich gut gemacht!

GEO hat also mal wieder recht..

Selbstverständlich vielen Dank an alle, die mitgemacht und geholfen haben, das Rätsel zu knacken!

Saludos

Rainer