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Donnerstag, April 01, 2010

Schande über Costa Rica?



Ostional, Costa Rica

Gerade erricht mich folgende Kettenmail von Bob:

Our Turtles are very close on becoming Extinct!!!
World Wide shame in COSTA RICA
Please distribute widely
The Turtle eggs are stolen to be sold"





Dazu möchte ich gerne folgendes sagen: Die Bewohner von Ostional dürfen einen oder zwei Tage lang die Eier der Nester ganz legal entnehmen. Das hat folgenden Hintergrund: Am nächsten Tag und auch in der Nacht kommen nochmal ein paar Tausend und am darauffolgenden nochmal. Und so weiter. Das kann sich einge Tage hinziehen. Das heißt aber natürlich auch, daß gar nicht genug Platz für alle Nester ist.

Die nachfolgenden Schildkröten buddeln die Gelege vom Vortag aus und zerstören diese natürlich.

Also ist es den Bewohnern erlaubt, sich mit den Eiern einen Nebendverdienst zu erschliessen. Sie verpflichten sich im Gegenzug, darauf aufzupassen, dass später keine Eier mehr gestohlen werden. So weit ich weiß, klappt das ganz gut, Schwarze Schafe gibt es leiderimmer, aber im Großen und Ganzen funktioniert das System. Tobi Hauser berichtet übrigens eindrucksvoll in seinem Diavortrag vom "grossen Eierklau".

Was haltet ihr von dem Projekt? Weiß von Euch jemand mehr darüber?

Saludos

Rainer

Dienstag, Juli 28, 2009

Misst Costa Rica mit zweierlei Maß?


Costa Rica, Ostional


Diese Frage stellen wir uns nach den aktuellen Meldungen aus Playa Ostional an der Nordpazifikküste.

Hier leben die Einwohner schon seit Jahren in Einklang mit der Natur in einem ganz speziellen Bereich. Normalerweise ist es in Costa Rica verboten die Eier der Schildkröten einzusammeln, aber Ostional hat seit Jahren ein erfolgreiches Konzept um den Spagat zwischen den Interessen der Einheimischen und den Schildkröten zu schaffen. Hier kommen so viele Bastardschildkröten an den Strand, dass die ersten Gelege durch die nachfolgenden Schildkröten zerstört werden. Aus diesem Grund dürfen die Einheimischen, die teilweise vom Verkauf der Eier leben die ersten Gelege auf einem von insgesamt acht Kilometern Strand, kontrolliert sammeln. Die Eier werden dann, in mit einem Legalitätszeichen versehenen Tüten, verpackt und verkauft. 30% der Einnahmen aus dem Verkauf werden genutzt um Biologen und "Strandpolizei" zum Schutz der Schildkröten bezahlen. Das Konzept geht für Natur und Einheimische auf -- Doch nun will das Umweltministerium Costa Ricas die Bewohner von Ostional umsiedeln, ohne ihnen eine Alternative zu bieten. Alle Bewohner sollen praktisch auf die Straße gesetzt werden. Dies liegt an einem Gesetz, dass es vorsieht, dass in einer Distanz von 200 Metern zum Strand nicht gebaut werden darf. Die Bewohner von Ostional leben aber schon seit langem vor der Zeit als das Gesetz in Kraft trat innerhalb dieser 200 Meterzone.
Der Präsident von Costa Rica Oscar Arias will nun hart durchgreifen und auch an anderen Stränden des Landes die 200 Meterzone "freikämpfen" .
Insgesamt würden somit circa 50.000 Einwohner von Costa Rica aus ihren Häusern in Strandnähe vertrieben.

Doch was steckt wirklich dahinter? Es drängt sich der Gedanke auf, dass Costa Rica mit zweierlei Maß misst und die Vertreibung aus anderen Interessen als des scheinbar vorgeschobenen Umweltschutzes vornehmen möchte. Seltsamerweise sind nämlich viele große Grundstücke die an die Grundstücke der Einwohner grenzen bereits an Großinvestoren verkauft oder sollen verkauft werden und es scheint als wolle man die "störenden"
Einheimischen aus dem Weg haben. So interessiert es keinen, wenn in Costa Rica für ein großes Strandresort oder einen Wohnpark große Waldflächen abgeholzt werden und neue Luxusgebäude hochgezogen werden, auch innerhalb der 200 Meter-Strandschutzzone. Hier scheint das Umweltministerium einfach weg zuschauen. Die Einwohner dürfen aber noch nicht einmal mehr ihre Häuser reparieren.

Mittlerweile haben sich Bürgerinitiativen gegründet und haben den Kampf gegen die Vertreibung aufgenommen.

In den letzten Jahren hat sich der extreme Kauf von Grundstücken und ganzen Regionsabschnitten durch Großinvestoren vorwiegend aus den USA stark zugespitzt. Man bekam fast den Eindruck Costa Rica sei im Ausverkauf. Die Finanzkrise hat in diesem Fall auch mal etwas Gutes getan und die unkontrollierte "Bauwut" von Wohnparks und Hotels in Costa Rica wieder etwas gebremst.

Wir hoffen, dass die Umsiedlungspläne der Einheimischen von den Stränden nicht umgesetzt werden, denn unserer Meinung nach geht das Recht der Einheimischen in ihrem eigenen Land vor die Interessen von ausländischen Großinvestoren.

Umweltschutz sollte nicht zur Durchsetzung von einseitigen Interessen vorgeschoben werden!

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig Unterkünfte von Einheimischen während einer Reise nach Costa Rica zu wählen und auch darauf zu achten, dass diese im Einklang mit der Natur erbaut wurden.


Katja

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