Donnerstag, April 01, 2010

Schande über Costa Rica?



Ostional, Costa Rica

Gerade erricht mich folgende Kettenmail von Bob:

Our Turtles are very close on becoming Extinct!!!
World Wide shame in COSTA RICA
Please distribute widely
The Turtle eggs are stolen to be sold"





Dazu möchte ich gerne folgendes sagen: Die Bewohner von Ostional dürfen einen oder zwei Tage lang die Eier der Nester ganz legal entnehmen. Das hat folgenden Hintergrund: Am nächsten Tag und auch in der Nacht kommen nochmal ein paar Tausend und am darauffolgenden nochmal. Und so weiter. Das kann sich einge Tage hinziehen. Das heißt aber natürlich auch, daß gar nicht genug Platz für alle Nester ist.

Die nachfolgenden Schildkröten buddeln die Gelege vom Vortag aus und zerstören diese natürlich.

Also ist es den Bewohnern erlaubt, sich mit den Eiern einen Nebendverdienst zu erschliessen. Sie verpflichten sich im Gegenzug, darauf aufzupassen, dass später keine Eier mehr gestohlen werden. So weit ich weiß, klappt das ganz gut, Schwarze Schafe gibt es leiderimmer, aber im Großen und Ganzen funktioniert das System. Tobi Hauser berichtet übrigens eindrucksvoll in seinem Diavortrag vom "grossen Eierklau".

Was haltet ihr von dem Projekt? Weiß von Euch jemand mehr darüber?

Saludos

Rainer

7 Kommentare:

Katja hat gesagt…

wegen der Schildkröteneier in Ostional: Die Einheimischen haben Jahrzente lang vom Verkauf gelebt und der Staat hat hier eine für Tiere und Anwohner optimale Lösung gefunden. Bis 36 Stunden nach der ersten Eiablage darf gesammelt werden. Die Eier kommen in extra gekennzeichnete Beutel, damit die Restaurants wissen, dass es sich um legal gesammelte Eier handelt. So können die Einheimischen noch ihr Einkommen sichern, schützen aber nach den 36 Stunden die neuen Gelege. Die Schildkrötenpopulation hat am Ostional sogar zugenommen - das bedeuetet, dass Konzept geht auf.

Gaby Höbart hat gesagt…

Als Costa Rica Kennerin halte inzwischen nichts mehr von dem Projekt und Mitarbeiter vom Umweltministerium MINAET sind auch der Meinung, man sollte den Verkauf von Schildkröteneiern ganz verbieten.

Der Ansatz des Projektes ist den Einheimischen ein Einkommen zu verschaffen, indem sie die ersten Eier absammeln und verkaufen dürfen. Dafür müssen sie dann in Schutzprogrammen über mehrere Wochen die weiteren Gelege schützen.

Die Grüne Bastardschildkröte nistet nämlich übereinander und zerstört dabei bereits vorhandene Gelegen. Insider sagen aber, dass nur deswegen eine so hohe Konzentration an einem Ort ist, weil benachbarte Strände bereits als Nistorte zerstört wurden.

Das Problem, wenn von November bis Januar legal Eier in ganz Costa Rica verkauft werden, sehen es die meisten Menschen nicht ein, die anderen Monate keine kaufen zu können. Und dann beginnt der illegale Handel.

Säckeweise werden die Eier aus Matina und Moin auf der Karibikseite geschmuggelt. Meines Wissens viel von illegal zugewanderten Nicaraguanern. Wer arm ist, hat meist kein Umweltbewusstsein.

Gerade erst Dezember 2009 wurden 6000 Eier der Grünen Meeresschildkröte von MINAET konfisziert, davon konnten noch von Schildkrötenexperten 2000 Stück ausgebrütet werden.

Jetzt im März 2010 wurden nachts aus Moin säckeweise die Eier der Lederschildkröte abtransportiert und als ein Anwohner die Polizei gerufen hat, wurde diese mit 'Aphrodisiaka' geschmiert.

Der durchschnittliche Tico Mann will nicht verstehen, dass diese Gewohnheit einen Schaden anrichtet. Sobald die Dämmerung kommt, sehe ich regelmäßig die kleinen Kühltaschen durch Puerto Limon laufen "huevo - viagra".

Da eigentlich eine jetzt 4 Jahre alte Karettschildkröte in Puerto Limon mein Patenkind ist, sie hat seit einem Haiangriff nur 1 Flosse, ärgere ich mich jedes Mal.

Wenn ich eingreifen kann und an eher öffentlichen Plätzen illegal Eier verkauft werden, dann denunziere ich bei MINAET. Aber es gibt so viele Situationen, wo man sich leider als Ausländer zurückhalten muss und nicht handeln kann.

Gaby Höbart
Diplom-Geografin und Naturschützerin

Unknown hat gesagt…

Du hast wahrscheinlich recht, wenn man einen kleinen Finger anbietet, wird meist die ganze Hand genommen. Aber gibt es denn alternative Einkommensmöglichkeiten, wie die Locals von den Tieren profitieren können?

Wolfgang hat gesagt…

Hola!
Man muss als Europäer auch die Lebenssituation der Ticos "verstehen".Es reicht nicht, den europäischen grünen Daumen zu heben und aus sicherer Warte aus dieses Verhalten "zu verdammen". Solange keine "Alternativen" ( und da meine ich richtig finanzielle Alternativen für einen Großteil der Küsten-/bewohner!) bestehen, wird dieser legale Eierklau für ein paar Colones weitergehen. Dieser "Nebenerwerb" geht zwar aus meiner Sicht in die falsche Richtung, aber: geht mal nach Atenas auf die inzwischen gesperrte Mülldeponie! Ganz zu schweigen von den unzähligen wilden Mülldeponien quer durchs Land oder dem "Abwassersystem" im ganzen Land: es dauert eben noch viele Jahrzehnte, bis das Bewusstsein der breiten Bevölkerung den Schutz der Ressourcen als Chance wahrnimmt. Eierklau hin oder her, das sind Peanuts im Vergleich zu vielen anderen Problemen, die das Land hat. Da hilft eben kein Ökodaumen. Aus meiner Sicht investieren Europäer und eben auch Deutsche eh zuwenig Kapital in dieses Land, um ein gewichtiges Wort in der Politik ( auch Lokalpolitik ) zu haben. Und um das geht's!

Unknown hat gesagt…

naja, ich denke, die viele investments von nicht-ticos machen das problem eher noch größer. wenn ich sehe, was in tamarindo so abgeht. Ich habe dort vor nicht mal 15 Jahren noch Schildkröten bei der Eiablage gfilmt, wenn ich da heute hingehe, tränen mir die augen. der enorme wasserverbrauch durch die vielen appartments und hotels, der müll, die verschandelung der landschaft durch riesige hotelanlagen ist auch nicht gerade der richtige weg. sicher gibt es auch ökologisch korrekte investments, aber die sind doch eher in der minderheit. ich habe das neulich auch auf der itb mit dem tourismusminister von costa rica besprochen. meine meinung ist es, die kinder sollten ökologisches bewusstsein bekommen und dann muss man halt auf die zukunft hoffen. mit investitionen allein ist da nicht geholfen.
oder was meinst du denn genau?

Anonym hat gesagt…

...ich meine ,dass die Investitionen, die von den Amerikanern etc. gemacht gemacht werden, auch eine entsprechende Kultur ins Land tragen. Costa Rica's Reichtum an Natur macht eben eine durchschnittliche Tico - Familie nicht satt.
Du hast natürlich mit all dem Recht. Aber: wie seinerzeit in Deutschland, gehört eine starke politische Richtung dazu ins Land. Und: ohne Geld geht nix. Ich erinnere an den Raubbau im Meer, als die Chinesen mit Geld ins Land gefallen sind. Wo bleiben die kapitalstarken "grünen" Europäer? Da Liese sich noch viel "schützen", wenn man sinnvoll investiert.

Gaby hat gesagt…

Habe jetzt erst wieder mitgelesen ...
Das Thema Meeresschildkröten ist eines - Investitionen, wo Geldströme hin fließen, die Benachteilung der Küstenbewohner in CR etc. ein anderes. Natürlich gibt es auch in Europa genug Umweltsünden, leider.

Meeresschildkröten unnötig auszurotten,
eine seit über 200 Mio. Jahren existierende Tierart, das kann ich als Artenschützerin nicht als "Peanuts" stehen lassen.

Zumal der Verzehr der Eier weder der Ernährungs- noch der Einkommenssicherung dient.
Das ist so, wie wir Europäer die Wahl haben, esse ich ein Stück Schokolade oder nicht.
Viele Locals sind sich ihres Verhaltens nicht bewußt, es wird hier sicher zu wenig Umweltbildung betrieben.