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Donnerstag, Juli 04, 2013

Ya mann! Rasta, Reggae und Re..ääh LINKSverkehr - Ein Reisebericht aus Jamaika (Teil 8)

Die Küche Jamaikas - Ya mann, carribbean flavo!

Wer in der Karibik unterwegs ist und speziell auf Jamaika sollte sich auf eine leckere, nahrhafte, abwechslungsreiche, bunte und würzige Speisenvielfalt einstellen.

Die jamaikanische Küche ist so vielfältig wie die Jamaikaner selbst – es sind die Einflüsse vieler Kulturen wie den Ureinwohnern, den englischen Kolonialherren sowie der Kreolen spürbar.

Frische süße Früchte zum Frühstück

Der Reichtum an Früchten, Gemüsesorten und anderen natürlichen Zutaten wird ausgenutzt und findet sich oft schon auf dem allerersten Teller wieder, den man in Jamaika vorgesetzt bekommen, insbesondere wenn man in einem der viele Guesthouses oder von Einheimischen geführten Hotels und Lodges unterkommt.


Meine Tante setzt am ersten Morgen auf die sichere Karte, aber neugierig wie ich nun einmal bin habe ich am Vorabend zugestimmt mir einmal landestypische Kost servieren zu lassen. „saltfish and ackee“ habe ich verstanden, und die Damen vom Palmview Guesthouse in Montego Bay haben mir auch erklärt, worum es sich dabei handelt, aber irgendwie war ich wohl etwas zu müde um allen Details zu folgen. Wenn ich jetzt auf meinen Teller schaue, bin ich zum Einen durchaus neugierig andererseits auch etwas skeptisch wie „saltfish and ackee“ wohl schmecken wird, denn vor mir ist ein relativ großer Haufen, der aussieht wie Rührei gemischt mit viel grünen Kräutern und länglichen, leicht gräulichen dünnen Streifen, von denen ich vermute, dass es der Fisch ist. Daneben liegen zwei rundliche Bollen, sogenannte Dumplins (???), die angeblich ebenfalls typisch sind. Nun gut, ich lass mich überraschen, nimm meine Gabel und schaufel mir etwas von der Masse in den Mund. Ich bin etwas erstaunt über den recht salzigen und vor allem fischigen Geschmack und stelle fest, dass ich wohl nicht unbedingt zu denjenigen gehöre, die schon am frühen Morgen um 8.00 Uhr Fisch essen kann. Ich habe normalerweise wirklich keine Schwierigkeiten und habe in Costa Rica immer Reise mit Bohnen, Käse, etc. gefrühstückt, aber das ist mir dann doch etwas zu extrem. Ich schaufele mir noch fünf oder sechs weitere Gabeln in den Mund, trinke dazu meinen Kaffee und esse einen der zwei recht festen Bollen sowie die Hälft der „Brotfrucht“, doch auch diese ist mir persönlich etwas zu trocken. Und was lerne ich daraus – man sollte offen sein für alles, alles probieren und dann kann man immer noch sagen, ob man es mag oder nicht.

Unreife Ackee-Früchte

In diesem Fall hat mir doch tatsächlich mal etwas nicht so wahnsinnig gut geschmeckt (und ich esse wirklich fast alles!). Jedoch wurde mir später noch von anderen Jamaikanern erklärt, dass man Saltfish & Ackee auch nicht unbedingt zum Frühstück ist, sondern eher später und eher als Beilage. Da war ich dann auch wieder beruhigt – es lag wohl doch am Fisch so früh am Morgen :-)

Wir haben natürlich noch andere Dinge probiert, unter anderem das berühmte Jerk Chicken. Als Variation gibt es auch Jerk pork und Jerk fish, worauf wir allerdings verzichtet haben. Jerk Chicken ist wirklich sehr lecker, egal ob man es am Straßenstand in Bluefields, im darauf spezialisierten Restaurant Scotchies in Montego Bay oder im Gourmetrestaurant im Hotel isst. Man sollte nur wissen, dass „jerk“ zum einen die würzig-scharfe Marinade ist, in die das Grillgut eingelegt wird und zum anderen die Zubereitungsart auf dem Grill über Pimentholz für den entsprechenden Geschmack. Jeder hat seine eigene Art die Marinade herzustellen, aber in jedes gute „jerk“ gehört eine dunkle Beere, die scharf wie eine Mischung aus Zimt, Nelke und Muskat schmeckt.

Jerk Chicken vom Straßengrill in Bluefields

Und dann gab es noch unser absolutes Highlight – durch den unfreiwillig verlängerten Aufenthalt im Mockingbird Hill sind wir in den Genuss des dortigen Mille Fleurs Restaurants gekommen. Und wirklich – das ist absolute Spitzenküche, für die das Restaurant auch schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Nicht nur, dass ausschließlich Produkte von der Insel verwendet werden, diese werden auch in traditionellen und neu interpretierten Rezepten verwendet. Es wird täglich frisch gekocht und die Geschmacksvariationen sind einfach gigantisch. So genossen wir täglich frisch gebackenes Brot, süß wie deftig, mit hausgemachten Marmeladen und Jams. Pünktlich um 5 Uhr nachmittags gab es nach alter, englischer Tradition Tee mit Gebäck oder Kuchen und ein dreigängiges Menü am Abend.
Natürlich haben wir es uns da nicht nehmen lassen einen Kochkurs beim Küchenchef höchstpersönlich zu machen – mitten im Hurrikan. Das Ergebnis konnte sich sehen und schmecken lassen.
So liebevoll wurde alles angerichtet - Hotel Mockingbird Hill, Port Antonio

Wer also einmal die Gelegenheit hat nach Jamaika zu reisen, sollte sich auf keinen Fall die lokale leckere Küche entgehen lassen, denn das gehört definitiv dazu, wenn man die Kultur eines Landes kennenlernen möchte.

Hmmmmmm!!!

Dienstag, Juli 02, 2013

Ya mann! Rasta, Reggae und Re..ääh LINKSverkehr - Ein Reisebericht aus Jamaika (Teil 7)

Die Jamaikaner und die Musik

Der heutige Teil meines Reiseberichts fällt leider eher kurz aus.

Was soll ich sagen… unglaublich, aber wahr, wir haben so gut wie keinen Reggae auf Jamaika gehört. Wir haben im Auto während unserer Fahrt immer das Radio aufgedreht, aber alles was dabei rauskam waren leider nur irgendwelche US amerikanischen Frequenzen, die weit entfernt von Reggaeklängen eher bösartigen Gangsta Rap oder herzzerreißende Balladen von Beyoncé gespielt haben. Das, worauf ich mich am meisten gefreut hatte, hat mir während unserer neun Tage Aufenthalt am meisten gefehlt und ich hätte niemals vermutet, dass tagsüber, in den Hotels, in den Taxis, Restaurants und am Strand so wenig Musik und vor allem so wenig Reggae gehört wird.

Wand mit Bildern und Trophäen jamaikanischer Legenden im "Legends Hotel" in Negril

Bitter enttäuscht war ich umso mehr, als wir nicht einmal mehr die Möglichkeit hatten in die Landeshauptstadt Jamaikas und in DAS Zentrum für das jamaikanische Nachtleben zu fahren. Klar, wir waren in Kingston, aber wir sind direkt zum Flughafen gefahren.

Deswegen kann ich leider nur wiedergeben, was ich gehört oder gelesen habe und was mir von anderen Reisenden und Jamaikanern erzählt wurde:

Musik ist ein zentrales Element der jamaikanischen Bevölkerung und Teil des Lebensgefühls.
Kingston ist tonangebend auf Jamaika und auch musikalische Hauptstadt der Karibikinsel. Berühmt für sein Nachtleben und die Clubs, in denen man sich schwitzend und im Takt der wummernden Musik zu Dancehall Klängen wiegt und abstrampelt als gäbe es kein Morgen mehr. Durch Mikrophone werden gegeneinander tanzende Menschen angefeuert und nicht selten passiert es, dass man als Ausländer gekrallt und auf die Tanzfläche gedrückt wird. Da hilft nur, Augen zu und durch und zeigen, dass auch wir alles schütteln können, was wir haben :-)
Jedes Jahr gibt es mehrere große Musikfestivals, auf denen Reggae regelrecht zelebriert wird und dem großen Bob Marley, dessen Museum ebenfalls in Kingston steht, gehuldigt wird.

Neben Bob Marley, gibt es ja noch viele andere, auch hierzulande bekannte Künstler wie Inner Circle („Sweat (a lalalalalong)), Chaka Demus („Tease me“, „Murder she wrote“), Shaggy („Mr. Bombastic“, „Angel“) oder den Dancehall Sean Paul („Get busy“, „Got 2 Luv U“).

Tja, der Bericht ist jetzt doch schon wieder länger geworden, als ich zu Anfangs gedacht habe, aber das liegt wohl einfach auch daran, dass man nicht ohne Grund Jamaika automatisch mit Musik verbindet und man wohl tatsächlich auch ohne dort gewesen zu sein einen ganzen Aufsatz darüber schreiben könnte.

Für mich heißt es eigentlich nur, dass ich irgendwann noch einmal hinfliegen muss, da ich wohl wirklich eines der elementarsten Dinge eines jeden Jamaika Aufenthalts verpasst habe. Beim nächsten Mal werde ich auf jeden Fall ins Bob Marley Museum gehen und mir die Nächte um die Ohren schlagen :-) Ya Mann!

Montag, Juli 01, 2013

Ya mann! Rasta, Reggae und Re..ääh LINKSverkehr - Ein Reisebericht aus Jamaika (Teil 6)

Der Straßenverkehr

Jamaikaner und Autofahren – das ist tatsächlich ein wichtiger Aspekt, wenn man als Selbstfahrer auf der Insel unterwegs ist. Wir trafen auf ein Schweizer Pärchen, das uns ebenfalls bestätigte, was wir mehr als einmal erlebt haben: wenn sich ein normalerweise ausgeglichener und entspannter Jamaikaner hinter das Steuer setzt, unterzieht er sich jedes Mal einer Art kompletter geistiger Wandlung. Jamaikaner fahren, wenn ich es jetzt auf gepflegt Fränkisch formulieren würde, „wie die Gsenngtn“. Zu Deutsch: sie fahren wir die Irren. Nichts ist mehr übrig von dem sympathischen Volk, sobald es ein Lenkrad in der Hand hält. Es wird pausenlos gehupt, links wie rechts überholt, gedrängelt, geflucht und wild gestikuliert. Ampeln werden ignoriert und nachts wird auch ohne Licht oder wenn dann mit blendendem Fernlicht gefahren. Dazu kommen die vielen Schlaglöcher, die oftmals tiefe Krater sind, die vielen Ziegen auf der Straße (Ziegencurry ist eine nationale Leibspeise…), Bauern auf Eseln, Kinder auf Fahrrädern und in den Städten Fußgänger von allen Seiten. Und nicht zu vergessen, der Linksverkehr, an den man sich erst einmal gewöhnen muss, weil nicht nur links gefahren wird, nein, auch im Auto ist tatsächlich alles spiegelverkehrt – der Fahrer sitzt rechts!!!

Ob der noch straßentauglich ist?

Ich steige zum ersten Mal in unseren Mietwagen, einen Toyota Corolla ein. Eigentlich ein Mietwagentyp, mit dem ich gut klarkomme und den ich sehr gerne fahre. Doch was ist das, ach du Schreck – ich muss auf der rechten Seite einsteigen??? „Yes Ma’am“ antwortet der Herr von der Mietwagenfirma auf dem Parkplatz vor dem Flughafen. Ach herrje denke ich mir und setze mich ins Auto. Dann der nächste Schock – ein Automatik Auto! Wie in aller Welt soll ich die nächsten neun Tage unfallfrei überstehen? Andererseits, mit der linken Hand ein Schaltgetriebe betätigen wäre ja noch dümmer… okay, ich freunde mich damit an, dass wir in den kommenden Tagen bestimmt öfter einmal ungewollt heftig mit dem Kopf nicken werden. Und dann geht’s richtig los: alles ist verkehrt herum, Blinker, Scheibenwischer (ja es beginnt gerade in diesem Augenblick zu tröpfeln), Anzeige, Geschwindigkeit ist in Meilen angegeben, und das alles nach einem 10stündigen Langstreckenflug. Leicht verzweifelt schaue ich in den Rückspiegel und sehe meine Tante auf der Rückbank mit ebenfalls besorgtem Blick und dem Satz „Also ich werde sicherlich NICHT fahren“. Toll. Irgendwie schaffen wir es vom Flughafenparkplatz und die knapp 1,5 Kilometer bis zu unserem Hotel in Montego Bay. Dort wird das Gefährt erst einmal abgestellt. Puuuh. Aber am nächsten Morgen muss ich mich wieder der Aufgabe stellen – Berg anfahren, Linksverkehr, überall viele Autos und Menschen auf der Straße und ein nicht ganz aktuelles Navi an Bord. Prima! Wir bewegen uns langsam stadtauswärts auf dem Weg zu unserem ersten Termin – Hotelbesichtigung des Roundhill Hotels & Villas, ca. 30 Fahrtminuten von Montego Bay entfernt. Und schon an der ersten großen Ampelkreuzung passiert er mir, der typische Fehler im Linksverkehr: Ich biege auf der zweispurigen Straße nach rechts ab – auf die rechte Spur, wo mir zwei Reihen hupender Jamaikaner entgegenblicken. Mir bleibt nichts anders übrig als zu Lachen, auf der Kreuzung rückwärts zu fahren und auf die linke Spur zu wechseln. Das werde ich mir aber für die kommenden Tage merken.

Und tatsächlich, war das das einzige Mal, dass mir das passiert ist… am dritten Tag habe ich mich an Straßen und Fahrstil gewöhnt. An Tag 4 kommen wir sogar im Riesengewitter mit Straßenüberschwemmungen sicher im Hotel an. Und an Tag 5 sagt meine Tante doch glatt zu mir, dass ich selbst schon fast wie die Jamaikaner fahre… :-)

Bamboo Avenue - eine der schlaglochfreien Strecken auf Jamaika

Also, wer wirklich vorhat auf Jamaika mit dem Auto zu fahren – wir haben es auch geschafft. Wirklich, man sollte keine Angst haben. Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt und dass es wirklich anstrengender ist, zwei Stunden auf Jamaika zu fahren als 8 Stunden auf deutschen Autobahnen. Jeder, der die rush hour in deutschen Großstädten kennt und meistert, kann auch im jamaikanischen Straßenverkehr bestehen.

Drei goldene Regeln für Ausländer:
1. Fahre defensiv - Der Jamaikaner hat im Zweifel IMMER Recht.
2. Fahre IMMER konzentriert und erlaube Dir keine Ablenkung – oder das nächste Schlagloch zahlt es Dir heim.
3. Rechne mit allem – es gibt nichts, was es nicht gibt.

Ich empfehle außerdem jedem die Anmietung eines Navigationsgeräts. Eine lohnenden Investition, auch wenn es nicht immer up to date war und uns im Landesinnern auch einmal falsch gelotst hat.

Es gibt nichts, was es nicht gibt - dazu gehören nicht nur Zweibeiner und Hunde :-)

Freitag, Juni 28, 2013

Ya mann! Rasta, Reggae und Re..ääh LINKSverkehr - Ein Reisebericht aus Jamaika (Teil 5)

Sicherheit beim Reisen – nooo problem Ma‘am / Fortsetzung


Auch was die Sicherheit während der einzelnen Reiseetappen angeht, hatte ich das Gefühl, nie in irgendeiner Art gefährdet gewesen zu sein. Die Jamaikaner leben unter anderem auch von den Einnahmen aus dem Tourismus und dem Ruf eines tropischen Reiselandes mit freundlichen Menschen. So wissen viele, dass es diesem Ruf schaden würde, wenn Touristen beraubt und bedroht werden würden. Doch es gibt trotz allem auch an vielen Ecken die Armut, so dass es natürlich vorkommen kann, dass man als reicher, weißer Tourist den Neid auf sich zieht und wie in allen armen Ländern, in denen es Tourismus gibt, Opfer von Trickdieben wird. Es gilt also auch hier nicht mit Wertgegenständen wie teuren Kameras, Uhren, Klamotten, etc. zu prahlen und diese zur Schau zu stellen. Safes sollte man benutzen, wenn sie vorhanden sind. Wichtige Dokumente sollte man in doppelter Ausführung dabei haben. Und dunkle Ecken in größeren Dörfern und Städten meiden und zur Not das Hotelpersonal nach sicheren Orten fragen. Also alles nichts Ungewöhnliches.


Ganz selten könnte es einmal zu einer solchen Situation kommen:
Wir fahren nun schon ziemlich lange eine ziemlich holprige Strecke durch das Hochland. Irgendwie beschleicht uns das Gefühl, dass uns das Navigationsgerät in Browns Town falsch gelotst hat, aber wir können es auch nicht mehr fragen, da das Signal wohl nachgelassen hat, denn laut Anzeige fahren wir ca. 2 km abseits der nächsten befestigten Straße, doch hier zwischen Stock und Stein, Hügeln, steil abfallenden Schotterpisten und der Küstenlinie am Horizont ist nichts von einer größeren Verbindungsstraße zu sehen. Im Gegenteil, die Piste, denn mehr ist es nicht mehr, wird immer holpriger, die Löcher immer tiefer und ich habe langsam Angst, dass unserem Corolla bald die Achse bricht, wenn ich ihn weiter durch diese Pampa scheuche.
Kurz vor dem Durchdrehen (denn ich habe mittlerweile auch Hunger und die Klimaanlage tut nur noch das Nötigste) halten wir kurz in einem schattigen Waldplätzchen an. Meine Tante sagt, dass wir ja bei dem Haus dort oben nachfragen könnten. Ich schaue in Richtung des Hauses, aber mir ist hier so mitten in der Wildnis nicht wohl bei dem Gedanken ausgerechnet hier nachzufragen. Schließlich wird in Jamaika tatsächlich Hanf angebaut. Mit etwas Glück könne man laut lonely planet auf eine Plantage für den Eigenbedarf stoßen, mit Pech aber auch auf rabiate Plantagenbesitzer, die Eindringlinge nicht nur mit Wortsalven vertreiben. Ich entscheide mich dagegen und sage, dass wir jetzt solange weiterfahren, bis wir wieder in eine Ortschaft kommen oder zur Not umdrehen. Nach weiteren 10 Minuten kommen wir tatsächlich in ein kleines Dorf. Ich sehe zwei Frauen auf der Straße und halte an. Mit etwas Selbstironie erkläre ich unsere Situation. Die Frau winkt einen jungen Mann heran, da sie mich offenbar nicht richtig versteht und auch ich habe Mühe dem Englisch des jungen Mann zu folgen. Wir sind jedenfalls die Attraktion des Tages, denn es versammeln sich immer mehr Dorfbewohner um uns herum während Charles, der junge Mann, vergeblich versucht mir zu erklären, wie ich wieder zurück auf eine Straße komme, die uns im besten Fall auch noch bis zur Küstenstraße Richtung Ocho Rios bringt. Schlussendlich seufzt er und sagt, dass er uns begleite. Ich frage ihn, ob er das wirklich tun möchte und wie er wieder zurück kommt, wenn wir doch so weit ab vom Schuss sind. Aber er lächelt nur und sagt „no problem Ma’am, doont worri, no problem“, steigt kurzerhand auf den Beifahrersitz und fährt tatsächlich die gesamte Strecke mit uns bis zur Küstenstraße. 20 Minuten später und deutlich erleichtert kommen wir dort an. Charles strahlt über das ganze Gesicht und noch mehr, als wir ihm 20 Dollar zustecken, weil uns ein riesiger Stein vom Herzen fällt und wir so glücklich sind, wieder auf einer normalen Straße zu sein. Zum Abschied meint er dann noch locker flockig, dass es schon gut gewesen sei, dass wir oben im Dorf gefragt hätten, weil die Gegend und vor allem die Straße, die wir gerade heruntergekommen sind, nicht ungefährlich seien. Meine Tante und ich schauen uns nur kurz an und schicken innerlich jede für sich wohl ein Dankgebet zum Himmel, dass wir so geistesgegenwärtig waren und auch so viel Glück hatten.



Was will ich damit sagen? Eine gute Vorbereitung ist bei jeder Reise ratsam. Und da nicht jeder unserer Reisenden so viel Zeit und Geld investieren kann und will, hat er ja uns, denn wir testen unsere Reisen und auch die Länder immer selbst um unsere Reisenden genau vor solchen Situationen zu bewahren und um sie auf mögliche Risiken hinzuweisen.

Trotz allem gilt immer: den Kopf trotz Urlaub nicht völlig ausschalten.

Dienstag, Juni 25, 2013

Ya mann! Rasta, Reggae und Re..ääh LINKSverkehr - Ein Reisebericht aus Jamaika (Teil 4)

Sicherheit beim Reisen – nooo problem Ma‘am

Meine Tante und ich machen, so wie die Mehrheit der travel-to-nature Reisenden meistens Rundreisen, entweder mit Transfers und / oder mit dem Mietwagen, weil wir natürlich so viel wie möglich vom Reiseland sehen möchten und wir ohnehin nicht die 14-Tage-am-Strand-Lieger sind (dafür würden wir nicht so lange fliegen).


Die Sicherheit ist natürlich für uns als Frauen auch immer ein wichtiges Thema beim Reisen. Nun haben wir festgestellt, dass es auf Jamaika eher ungewöhnlich ist, dass jemand eine Rundreise macht. Viele legen sich tatsächlich zum Brutzeln für eine oder zwei Wochen in die tropische Sonne und unternehmen allenfalls einmal einen Tagesausflug, wo sie dann mit dutzenden anderen Touristen die vermeintlichen Highlights zu Gesicht bekommen. Wir hingegen hatten neun Tage Zeit um die Insel kennenzulernen und sogar ein recht straffes Programm, das uns vom Jamaican Tourism Board organisiert wurde. Unsere geplante Route ware eigentlich Montego Bay – Negril – Bluefields/Black River – Mandeville – Ocho Rios – Port Antonio – Morant Bay – Blue Mountains – Kingston gewesen, wenn Hurrikan Sandy (siehe Bericht Teil 3) nicht gewesen wäre. Und, was noch viel ungewöhnlich war, wir sollten selbst mit dem Mietwagen fahren.

Drei Dinge, die für die einheimische Bevölkerung mehr als befremdlich zu sein schien – zwei weiße Frauen – alleine – unterwegs mit dem Mietwagen. Nicht selten haben wir bei den Durchfahrten durch kleinere Orte, bei unvermeidlichen Stopps an Ampeln oder beim Fragen nach dem Weg verwunderte Blicke geerntet.

An sich haben wir uns dennoch in den meisten Augenblicken sicher gefühlt. Grundsätzlich gilt wie bei allen Reisen mit gesundem Menschenverstand und einem wachen Auge zu reisen.

Als größte Belästigung empfanden wir die teilweise doch recht aufdringlichen Scheibenputzer und Brillen- sowie Verkäufer sonstiger achso nützlicher Alltagsgegenstände. Zum Teil hatten wir keine Chance, weil wir mitten auf der Kreuzung vorankrochen und unsere Scheibe im Mitlaufen schnell mal gereinigt wurde. Als wir dann nicht zahlen wollten, obwohl wir bereits vorher unserer Meinung eindeutig mit Gesten und Worten zu Verstehen gegeben haben, dass die Scheibe mehr als sauber ist, haben wir oft den verständnislos gebrüllten Satz gehört „Dads hao we mek a living heere“. Eine echte Gefahr ging jedoch nicht aus, man sollte nur wissen, dass komplettes Ignorieren als eine Beleidigung empfunden wird. Wir folgten meist dem Rat unseres Reiseführers (Lonely Planet) einfach so zu tun, als kämen wir aus einem nicht englischsprachigen Land (was wir ja auch tun…).

Freitag, Juni 21, 2013

Ya mann! Rasta, Reggae und Re..ääh LINKSverkehr - Ein Reisebericht aus Jamaika (Teil 3)

Die Landschaft und das Klima

… sind mehr als nur Sonnenschein, Palmenstrand und blaues Wasser. Klar, das Bild von einem in der Hängematte zwischen zwei Kokospalmen liegenden Rastafari ist in jedermanns Kopf. Aber theoretisch gibt es das, naja bis auf den Rastakult, auch auf allen anderen Karibikinseln und ist, mit Verlaub, wirklich nichts Besonderes.

Auf Jamaika gibt es mehr als kilometerlange Palmenstrände...

So gibt es gleich mehrere, wunderschöne Wasserfälle etwas weiter im Inland, umgeben von üppig wuchernder tropischer Vegetation, das schwül-heiße Mangrovengebiet mit wilden Krokodilen am Black River, grüne Hügellandschaften rund um Mandeville und die Blue Mountains, in denen man ausgedehnte Wanderungen und Kaffeetouren unternehmen kann.
Leider konnten wir nicht in den Genuss der Black River Safari oder der Blue Mountains kommen, da wir bei ersterer einfach zu spät dran waren, weil die beste Zeit zur Krokodilbeobachtung am Morgen und mittags ist. Letztere mussten wir wegen dem unvorhergesehenen Zusammenstoß mit Hurrikan „Sandy“ leider komplett streichen.

Im Inland von Jamaika, irgendwo hinter Mandeville

Auf Jamaika herrscht tropisches Klima und es gibt eine Regenzeit sowie eine Trockenzeit. Außerdem liegt Jamaika wie alle karibischen Inseln im Einflussbereich von tropischen Wirbelstürmen, die zumal auch zu Hurrikans anwachsen können.
Die Temperaturen in den Küstenbereichen sind ganzjährig warm. Je weiter man ins Inland und damit auch in gebirgigere Regionen fährt, desto kühler wird es, aber selbst in den Blue Mountains schwankt die Jahresdurchschnittstemperatur um die 18°C.
Wie in der gesamten Region in Mittelamerika und der Karibik liegt Jamaika in den Tropen, was bedeutet, dass es auch in der Trockenzeit durchaus einmal eine willkommene Abkühlung in Form eines kurzen und kräftigen Schauers geben kann.
Die beste Reisezeit? Ist generell ganzjährig, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit von tropischen Stürmen am höchsten im August und September. Uns hat es hingegen noch im Oktober erwischt, was wieder einmal dafür spricht, dass solche Aussagen zu Trocken-/Regen-/Hurrikanzeiten immer nur sehr allgemein aufzufassen sind.

Typisch tropisch - kurze, kräftige Regenschauer

Wir erreichen Port Antonio bei strahlendem Sonnenschein am späten Nachmittag gegen 5.00 Uhr und schieben uns wieder einmal mit unserem Toyota Corolla durch die engen Straßen mitten im Schulschluss, mit hunderten von Schülern in Uniform, Hafenarbeitern, Muttis mit Fruchtkörben auf dem Kopf und kleinen Kindern an der Hand und fahren auf eine Anhöhe etwas außerhalb, wo unsere Unterkunft, das Hotel Mockingbird Hill liegt. Der Ausblick von hier oben ist fantastisch und wir genießen die Gastfreundschaft und die bereits preisgekrönte Küche des Mille Fleurs Restaurants. Die Besitzerin Barbara Walker fragt uns mit etwas besorgtem Gesicht, ob wir nicht gehört hätten, dass ein tropischer Regensturm angekündigt ist, der sich momentan vor der Südküste vor Kingston aufbaut und dass wir uns überlegen sollen, ob wir am nächsten Tag tatsächlich weiterfahren wollen. Wir, als orkanerprobte Oberfränkinnen, denken uns noch nichts Schlimmes, werden aber am nächsten Morgen eines besseren belehrt. Der tropische Sturm wird eingestuft als Hurrikan. Unser Ziel wäre eigentlich die Südostküste, doch wir werden eindringlich gebeten zu bleiben und den Sturm abzuwarten. Also was bleibt uns auch anderes übrig als auf den Rat der Einheimischen zu hören. Und tatsächlich – alle Jamaikaner beginnen in die Supermärkte zu stürmen und sich Vorräte anzulegen. Wir unternehmen noch einen Ausflug zu den Papiermacherinnen und besichtigen eine andere Lodge am Ort und das bereits in ausgiebigen, strömenden Regen. Unser Fahrer, Clark, bleibt trotz der Wassermassen extrem gelassen. „Doont worri just a littal bit of tropicaal raiin, noo problem“. Wir fragen ihn, ob er keine Angst hat und wie er nach Hause kommt, jetzt wo bereits eine Brücke zu seinem Haus überspült ist. Die Antwort typisch „Yes Ma’am I will jus teek my shoo oof and walk a littal bit down da road“. Und das hat er dann tatsächlich getan.
Wir hingegen sitzen drei Tage länger im Hotel in Port Antonio fest und harren der Dinge die da kommen. Im Hotel wird alles aufgeräumt, was nicht niet- und nagelfest ist und in der kurzen Zeit noch weggebracht werden kann. Und dann kommt Sandy, mit Sturmböen die durch die Palmen fegen und sichtbare Wassermengen mit sich transportieren. Dann nach knapp fünf Stunden absoluter Windstille, kein Tropfen fällt im Auge des Hurrikans vom Himmel. Zeit zum Rausgehen um erste Dinge aufzuräumen und Schäden einzuschätzen. Alles ist grün von abgerissenen Blättern, Palmzweigen und umgestürzten Bäumen. Nach 40 Minuten müssen wir wieder nach drinnen. Wir machen einen Kochkurs, während es draußen immer dunkler wird und der Wind aus der entgegengesetzten Richtung nun auch die letzten Zweige mitnimmt. Abends um 8 Uhr ist der Spuk dann vorbei. Aber es hat auch gereicht. Wir waren in unserem Hotel zwar völlig sicher und zu keiner Zeit in Gefahr, aber die einheimische Bevölkerung hat es zum Teil schlimm erwischt und Barbara sagt uns am nächsten Morgen, dass sie noch nicht weiß, ob es allen Mitarbeitern, die sie nach Hause geschickt hatte, noch ein Dach über dem Kopf haben. Es gibt keine Elektrizität, kein Fernsehen, keinen Handyempfang. Lediglich das Radio funktioniert streckenweise. Es wird noch Tage dauern bis die größten Schäden an Stromleitungen und Straßen behoben sind. Und so fahren wir nach vier Tagen wieder bei strahlendem Sonnenschein mit einem etwas beklommenen Gefühl weiter, wohl wissend, dass es uns als Touristen gut geht, der Sturm jedoch der ohnehin armen Bevölkerung wohl noch lange in den Knochen stecken bleiben wird.


So wie auf Jamaika ist es mit vielen Ländern. Natürlich besteht eine Gefahr von Naturkatastrophen wie Hurrikans in der Karibik oder Erdbeben in Mittelamerika. Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst davon betroffen ist, ist allerdings immer recht schwer vorherzusagen und meist ja auch sehr gering. Da muss der Zufall schon groß sein, dass man in eine solche Situation gerät. Generell sollte das einen also nicht davon abhalten diese wunderschönen und einzigartigen Länder zu bereisen, denn sonst dürfte man ja auch nicht nach New York reisen(bis dorthin ist Sandy sogar gezogen!), oder müsste auch hierzulande theoretisch gewisse Regionen meiden (z.B. wie leider aktuell die Hochwassergebiete im Süden und Osten der Republik).

Man kann solchen Dingen ja auch entgegenwirken indem man sich bei Reisespezialisten wie uns nach den geeigneten Reisezeiten und möglichen Gefahren erkundigt und das Risiko minimieren kann.
Wen die Befürchtung solcher Ereignisse vom Reisen abhält, ist selbst Schuld, und der verpasst definitiv das Beste!

Um solche Aussichten wie bei Ocho Rios zu genießen, fragt man am besten die Reisespezialisten nach der besten Reisezeit :-)

Donnerstag, Juni 20, 2013

Ya mann! Rasta, Reggae und Re..ääh LINKSverkehr - Ein Reisebericht aus Jamaika (Teil 2)

Die Menschen

Kurzum – sie sind sympathisch. Das ist einfach so. Man kann einem Jamaikaner einfach nicht böse sein. Nicht, dass es während unserer Reise dazu einen Grund gegeben hätte. Aber man muss es einfach nochmal betonen.


Wir sind auf der Suche nach dem Reiseführer Wolde Kristos in Bluefields. Eigentlich liegen wir auch gut in der Zeit, denn wir sind heute Morgen zeitig in Negril losgefahren und haben auch wie geplant nur zwei Stunden gebraucht. Aber jetzt haben wir schon zweimal das Ortsschild passiert doch von ihm und seiner kleinen Agentur ist absolut nichts zu sehen. Also entscheiden wir uns weiter entlang der Küstenstraße zu fahren, denn irgendwo muss er ja stecken. Wir kommen nach drei Kilometern im nächsten Ort Belmont an, doch stellen fest, dass wir zu weit sind. Mit dem Handy rufen wir Wolde an, der uns versichert direkt an der Straße zu stehen und uns zu winken, sobald er uns sieht. Wir beschreiben ihm noch einmal unser Auto und fahren zurück, vorbei an der kleinen Bude mit Hängematten, vorbei an dem Hotel, wo wir vorher schon 15 Minuten auf Wolde gewartet haben bis man uns sagte, dass wir am falschen Treffpunkt sind und es sich nicht um das Bluefields Bay Resort handelt sondern um das Bluefields Hotel. Man kenne aber Wolde und er sei sehr zuverlässig. Wir fahren erneut bis zum Ortsschild und zu einer kleinen offenen Halle mit Wellblechdach. Doch nichts ist zu sehen. Inzwischen leicht genervt, weil es ja nicht sein kann, dass man sich in diesem verschlafenen Ort verfehlen kann, blicke ich meine Tante an, die wiederum nur mit den Achseln zuckt und meint „Fahren wir halt nochmal langsam in die andere Richtung“. Also Wagen wenden und nochmal im Schneckentempo mit Ausschau nach Wolde in Richtung Belmont. Und nach weiteren 15 Minuten kehren wir unverrichteter Dinge zurück, schwitzend, verwirrt und etwas verloren. Das Telefon klingelt und ich bin kurz davor Wolde ordentlich die Meinung zu sagen, weil wir jetzt schon eine Stunde eine Strecke von 5 Kilometern hoch und runter fahren ohne auch nur annähernd den Ort zu finden, an dem er sich gerade aufhält. Doch Wolde erklärt mir noch einmal geduldig in seinem jamaikanischen Slang, dass doch alles no problem sei und er uns nun gesehen habe. Vollbremsung, wir befinden uns wieder am Eingang von Bluefields neben besagter Halle mit Wellblechdach. Und siehe da, tatsächlich kommt ein winkender und übers ganze Gesicht grinsender Mann mit Zahnlücke und Safari-Outfit auf uns zugeschlendert. Wir parken, steigen aus und werden erst einmal mit einer ausschweifenden Umarmung begrüßt.

"Ya mann, ju no dis is Tschamaika, no problem mann."

Ja Wolde, jetzt wo wir Dich endlich gefunden haben finden wir die Situation auch sogar schon wieder ein bisschen lustig :-)


Fröhlichkeit in Person - Wolde Kristos

Nicht nur mit Wolde erging es uns so, sondern generell mit allen Jamaikanern, mit denen wir im Laufe unserer Reise zu tun hatten. Egal ob die netten Ladys aus dem Palmview Guesthouse in Montego Bay, die uns gleich mit dem traditionellen Gericht „saltfish & ackee“ vetraut gemacht haben, Wolde mit seiner Begeisterung für den umweltverträglichen und menschennahen Tourismus, die geduldigen Frauen aus der Papiermachergemeinde in Port Antonio und der hilfsbereite Taxifahrer Clark, der uns aufopferungsvoll von A nach B gebracht hat, obwohl es draußen schon wie aus Kübeln geregnet hat.
Die Jamaikaner sind ein sehr entspanntes Karibikvolk mit einer aufregenden Kultur und Vergangenheit, zu Beginn immer etwas höflich und zurückhaltend, aber wenn sie erst einmal auftauen wirklich extrem hilfsbereit, sympathisch und lustig.
Wer also Jamaika wirklich kennenlernen will, der bucht keinen 14 tägigen Strandaufenthalt im Luxusresort, sondern eine Rundreise mit aufregenden Stopps und vielen Erlebnissen und Begegnungen – so wie wir es erleben durften!

Mittwoch, Juni 19, 2013

Ya mann! Rasta, Reggae und Re..ääh LINKSverkehr - Ein Reisebericht aus Jamaika (Teil 1)

Bis zum vergangenen Oktober wusste ich nicht sonderlich viel über Jamaika, außer, dass es in der Karibik liegt, es traumhafte Strände haben soll und man sich Tag und Nacht zu den Tönen von Bob Marley in Hängematten wiegt.

So sieht es an vielen Stränden Jamaikas aus - einfach traumhaft!

Schon bevor ich überhaupt mein Abitur hatte und wusste, dass ich irgendwann einmal bei einem Reiseveranstalter landen werde, wollte ich immer irgendwann einmal auf die kleine Insel Jamaika. Bitte jetzt keine falschen Vorurteile – ich hatte weder Dreadlocks bis zum Hintern noch war ich besonders an irgendwelchen Gräsern interessiert. Ich habe auch nicht von früh bis spät Reggae gehört, aber auf irgendeine Art und Weise hat mich Jamaika immer magisch angezogen.

Hier lässt sich die drückende Mittagshitze gut aushalten

Somit habe ich bereits in den ersten zwei Absätzen die bekanntesten Vorurteile über Jamaika zusammengefasst. Aber wie ist es tatsächlich – in Jamaika?

Im Oktober 2013 bin ich von Frankfurt aus direkt bis nach Montego Bay geflogen. Meine Tante, die mich immer gerne auf solchen Reisen begleitet, war auch wieder mit dabei.

Erste Eindrücke

Wir landen am späten Abend. Und schon am Flughafen sollen sich einige der Dinge bestätigen, die man über Jamaikaner gehört haben mag. Extrem entspannt - unsereins, Mitteleuropäer, immer korrekt, immer etwas spießig und ungeduldig würde wohl eher behaupten extrem langsam – werden wir von einer Repräsentantin des Fremdenverkehrsamtes begrüßt und zum Büro der Mietwagenfirma geführt, wo sich die Dame sogleich auch wieder verabschiedet und uns der Dame des Mietwagenbüros überlässt. Ganze eineinhalb Stunden später haben wir dann auch die Papiere unterschrieben, was sich wohl (aber das ist nur eine vage und ziemlich übertriebene Spekulation) durch die zusätzliche Anmietung eines Handys und eines Navigationssystems hingezogen hat. Aber alles ist natürlich no problem, wie uns schon nach der ersten Minute versichert wird. Trotzdem haben wir nach dem Langstreckenflug und bei gefühlten 30° Grad Temperaturunterschied so unsere Schwierigkeiten fünf Gänge zurück auf den jamaican speed herunterzuschalten.

Es war ja nicht unsere erste Reise in diese Region. Zuvor waren wir beiden schon in Costa Rica und Nicaragua unterwegs und ich für meinen Teil auch in Panama und El Salvador. Dass es nicht überall auf diesem Globus so hektisch zugeht, war uns also durchaus bekannt. Doch ich vermute, nach zwischenzeitlich weiteren Besuchen in verschiedenen Ländern, dass die Karibik noch etwas extremer ist. Aber ich möchte dies an dieser Stelle betonen - genau das ist es, was ich als absoluten Pluspunkt empfinde und wirklich JEDEM empfehle, der sich „entschleunigen“ möchte.

Typischer Straßenverkauf von "jerk chicken" - Achtung: gibt es nur in den Varianten SCHARF und SEHR SCHARF...

Nun gut, zurück zu unseren ersten Eindrücken – wir verlassen den Flughafen und warten vor dem Gebäude auf unseren Mietwagen. Ohne an etwas Böses zu denken, beginnt meine Tante sich eine Zigarette anzuzünden… Keine 5 Sekunden später kommt ein Mann mittleren Alters, adrett gekleidet, auf uns zu und fragt, ob wir auch noch etwas anderes rauchen möchten. Etwas verlegen aufgrund der unverblümten Frage auf offener Straße antworte ich ihm, dass ich nicht rauche und meine Tante lediglich Zigaretten. Ein etwas verblüfftes Gesicht, eine höfliches „sorry Maam“ und weg ist er. Tja, ich glaube, nicht nur, weil ich so müde bin, fühle ich mich gerade etwas verwirrt und sehe wohl auch so aus. Doch das soll nicht das letzte Ereignis sein, das einem spüren lässt, dass dieses Land in einem ganz anderen Rhythmus tickt…